Cremzow

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Cremzow ist etwa um 1230 vom Pommernherzog, dem zu jener Zeit noch die größten Gebiete der Uckermark unterstanden, mit Deutschen besiedelt worden. Die damaligen Bewohner, die Wenden, die fast 600 Jahre hindurch diese Gegend bewohnten und hauptsächlich von der Jagd und vom Fischfang lebten, wurden von der deutschen Besiedlung aufgesogen. Es kann kaum geglaubt werden, wenn von einigen Geschichtsschreibern behauptet wird, man hätte sie mit Stumpf und Stiel ausgerottet, zumal der Collator, das ist der Mann, der vom Pommernherzog mit der Gründung des deutschen Dorfes Cremzow beauftragt wurde, seinem Namen nach selbst eine Wende war. Er führte den gleichen Namen wie das Dorf. Dieser Collator hatte also in den, westlich der Elbe gelegenen, Ländern aussiedlungswillige Deutsche angeworben, sie in die ihm zugeteilte Gemarkung geführt, die Dorfanlage vermessen und jedem Siedler seine Hofstelle zugeteilt. Er musste die niedere Gerichtsbarkeit ausüben, für den Schutz des Dorfes sorgen und nach den Freijahren die Abgaben (Steuern) an den Landesherren abführen. Für diese Leistungen erhielt er so genannte Ritterhilfen, die von allen Abgaben befreit waren und die von den angesiedelten Bauern mitbeackert werden mussten. Da alles Land dem Landesherren gehörte, war diese Überlassung der Ritterhufen sowohl wie des ganzen Dorfes mit allen Rechten und Pflichten an eine Einzelperson gebunden. Wenn diese verstarb, mussten die Erben eine Neubelehnung beantragen. Diese Art der Belehnung wurde auch innerhalb eines Dorfes hinsichtlich der feststehenden Zahl der Bauern- und Cossätenhöfe praktiziert, vom Grundherren (Collator) durchgeführt und bis in das 18. Jahrhundert beibehalten. Für die Gründung des Dorfes Cremzow bekam der Collator Kremtzowe 8 Ritterhufen (Fidicin). Eine pommersche Hufe machte nach heutiger Rechnung etwa 13 ha oder 60 Morgen aus, wonach man die Größe des damaligen Ritterhofes in Cremzow mit etwa 500 Morgen berechnen kann. Die ganze Gemarkung beinhaltete nach dem Landbuch Karls d. IV (1375) 53 Hufen einschließlich der 8 Ritterhufen und der 3 Pfarrhufen. Da nach dem Landbuch noch 4 Cossäten und 1 Krug in Cremzow vorhanden waren und man diesen etwa 5 Hufen zurechnen muss, verbleiben 37 Hufen, auf denen wohl 10 bis 12 Bauern in der üblichen Größe von 3 bis 4 Hufen (je nach der örtlichen Lage dieser Hufen in der Allmende hinsichtlich der Güte des Bodens und Entfernung zum Dorf) angesetzt waren. Zur Zeit des Landbuches (1374) wird uns Betheke Brossow als Lehnsherr von Cremzow genannt. Die Familie Brossow muss aber wohl bald ohne männliche Erben gewesen sein, denn 1598 wurde Jochen von Berg auf Werbelow mit Dorf und Rittersitz Cremzow belehnt, 1621 dann Adam von Berg auf Werbelow wohl als Sohn des ersteren von Berg. Um 1650 erwarb Claus von Arnim wieder käuflich Dorf und Rittersitz Cremzow. Die Bergs - diesmal die Schönfelder - müssen aber wohl bald wieder in der Lage gewesen sein, es zurückzukaufen und konnten es noch fast 200 Jahre behaupten. Im Schoßkataster von 1624, einem Steuerregister, nach dem der Landreiter die Steuern von den Lehnsherren eintreibt, werden in Cremzow statt der vorher 44 contribuablen nur noch 22 als solche bezeichnet und nur noch 7 Bauern und 4 Cossäten genannt. Es sind also mindestens 5 Bauernhöfe in den Wirren der Zeit eingegangen und von den Bergs nicht mehr besetzt worden. Bis 1774 folgten 2 weitere Gehöfte diesem Schicksal. Ob Absicht in dieser Nichtbesetzung der wüst gewordenen Bauernhöfe bestand, ist heute wohl genau so schwierig zu erforschen, wie die Umstände, die dazu führten, dass die wüst gewordenen Hufen dieser Bauern in Zukunft dem Rittergut als abgabenfreie Hufen zugerechnet wurden. Durch den 30-jährigen Krieg wurde die Dorfgemeinde wie alle anderen uckermärkischen Dörfer sehr stark reduziert, die Äcker lagen wüst viele Jahrzehnte hindurch und bewuchsen mit Busch und Wald. Wenn man das Kirchenbuch von Carmzow (Beginn 1695) durchsieht, in dem man die Geburten von Carmzow, Klockow und Cremzow findet, muss man feststellen, dass erst um 1715 herum wieder Eintragungen über Bauern aufgezeichnet sind. Der Mangel an Menschen, die den Acker oder besser gesagt, den Busch roden und ihn wieder einer geordneten Dreifelderwirtschaft zuführen würden, war groß und nicht sofort zu beheben. Es lag auf der Hand, dass man den ersten Schritt zur Wiederurbarmachung mit Hilfe der Schafe und der Pachtschäfer machte. Diese Pachtschäfer waren freie Unternehmer, die ganze Feldmarken pachteten und große Schafherden zu eigen hatten. Sie beschäftigten oftmals mehrere Schäferknechte, die berechtigt waren, 50 eigene Mutterschafe zu halten und sich den Grundstock für eigene Herden legten, um später eigene Pachtungen zu übernehmen. Aus diesen Pachtschäfern, die ganze Kerle waren, gingen neben den Freyschulzen- und Müllerfamilien dann die Familien der Verwalter, die Pensionariy und die Arrendatoren hervor, die auf eigenes Risiko die Rittergüter - auch mit Rechten und Pflichten der alten Lehnsherren der Dorfgemeinde gegenüber - pachteten. Meist gelangten sie durch Tüchtigkeit - aber oft auch durch Heiraten untereinander, die vor Verwandtenehen nicht haltmachten - zu Wohlstand und Ansehen und vielfach nahmen sie sodann durch Kauf der Rittergüter den Platz des Adels ein, nachdem sich aus den ehemaligen Rittersitzen Rittergüter als Eigentum gebildet hatten. Von ihnen gingen auch die Impulse einer sich immer mehr modernisierenden Landwirtschaft aus. So entwickelten sich auch die Besitzverhältnisse in Cremzow. Als erster Pachtschäfer wird zu Beginn des Kirchenbuches - also bereits 50 Jahre nach Beendigung des großen Krieges - neben einigen Cossätenfamilien, einem Garnweber und dem Schneider, der zugleich Schulmeister war, der Schäfermeister Gerloff genannt mit seinen Schäferknechten. Aber auch der erste uns namhafte Verwalter, Herr Friedrich Semmler, der 1718 in Schenkenberg bei seinem Sohn Christian, dem dortigen Verwalter, verstarb. Sein ältester Sohn, ebenfalls Friedrich Semmler, hatte in Cremzow die Arrende übernommen, aber eine wenig glückliche Hand gehabt und sich dem „Suff" (KB ) ergeben. Bereits 1717 wird sein Nachfolger Martin Schultz genannt, der ein Verwandter der Semmlers war und nur bis zur Beendigung der Pachtzeit dort blieb. 1727 finden wir im KB bereits die Todeseintragung des nächsten Verwalters Paul Neuendorff, dessen Witwe, Christina Lemke, 1728 den Gens d' armen (Angehöriger des Rgt, gleichen Namens) Daniel Giese heiratete, der seitdem als Verwalter bezeichnet wird. 1753 übernimmt Christian Witte, aus einer alten Pachtschäferfamilie stammend, die Pachtung. 1754 wird uns Johann Christoph Marquard genannt, der 1770 in Cremzow stirbt. Die Nachfolge tritt Peter Raasch an, dem bald sein ältester Sohn Friedrich Raasch nachfolgt. 1799 wird dann der Inspektor Stoltmann und 1804 der Conducteur Scharlau genannt, woraus sich eine gewisse Zwangsverwaltung erkennen lässt. Durch die Trennung (Separation) der Ländereien des Rittergutes von denen der Bauern und durch die Gemeindereform wurde eine neue Kategorie der Verwaltung geschaffen - die Ämter mit den Amtmännern und Amträten. Als erster Amtmann erscheint in Cremzow Herr Joachim Friedrich Schultz, Arrendator auf Dolgen. (S. „Nachkommen des märkischen Gutspächters Christian Friedrich Schultz" von Ernst Heinrich Kern). Joachim Friedrich Schultz, übrigens mit der reichen Müllerstochter Charlotte Otto aus Gerswalde verheiratet, kaufte 1835 das Rittergut Sternhagen von den von Arnims, wogegen die Pachtung Cremzow von seinem Neffen Carl Friedrich Lehmann übernommen wurde. Ihm gelang es, 1845 das Rittergut Cremzow von den von Bergs zu kaufen und so wurde er von nun an im KB als Erb- und Gerichtsherr bezeichnet. Das Areal des Rittergutes war 1845 2238 Morgen groß, hatte 1773 Mrg, Acker, 59 Morgen Wiese und 40 Morgen Wald. Lehmann selbst scheint aber nur noch etwa 10 Jahre in Cremzow gewirtschaftet zu haben, denn bereits 1857 wird als Gutspächter Herr Friedrich Christian Birkenstädt, verheiratet mit Therese Bayrich genannt und ab 1866 (wohl dessen Sohn) August Birkenstädt, verheiratet mit Anna Lindenberg. Auch diesen waren wieder mit dem Schultz (Tornow) über die Lindenbergs verwandt. Cremzow, so wurde inzwischen offiziell geschrieben, ging nach dem Ableben Lehmanns 1866 an seine älteste Tochter Ernestine Caroline Barnewitz, geb. Lehmann über, die 1876 in Cremzow verstarb, woraus man entnehmen kann, dass die Barnewitz nach der Verpachtung an Birkenstädts das Rittergut selbst verwalteten, denn erst aus dem Jahre 1886 ist uns der neue Pächter, Robert Schlange, verheiratet mit Alice von Mellenthin, bekannt, der nach Ablauf eines 18-jährigen Pachtvertrages 1903 aus Cremzow verzog. 1904 werden erwähnt ein Herr Häseler als Gutsbesitzer auf dem Vorwerk und 1912 der Gutsbesitzer Paul Libau.

Geschichte: Die zerlumpten Dänen

Am Weg von Cremzow nach Baumgarten befindet sich ein einsames Gehöft, gleich neben dem "Spitzen Berg". Hier spuken die zwei "zerlumpten" Dänen. Die Geister zeigen sich seit der Zeit, als ein armer Nagelschmied aus Prenzlau dort ermordet wurde. Dieses soll sich so zugetragen haben: Da der Nagelschmied darauf angewiesen war, mit seiner Ware über die Dörfer hausieren zu gehen, musste er, da die Nacht angebrochen war, in der Scheune beim "Spitzen Berg" übernachten. Er stellte seinen Kasten, in der die Nägel klapperten, neben sich ab. Das hörten zwei umherziehende Dänen, die auch ihr Nachtlager in der Scheune aufgeschlagen hatten. Sofort dachten sie, der Wandersmann hätte Geld im Kasten und erschlugen ihn. Als sie sahen, dass nur Eisennägel im Kasten waren, wurden sie noch wütender. Am Morgen nach der Mordnacht zogen die Dänen weiter. Bald darauf verstarben beide Mörder. Sie konnten aber in ihren Gräbern keine Ruhe finden. Ja mehr noch, sie wurden dazu verdammt, an der Stätte ihrer Mordtat ewig herumzugeistern. Eigentlich sind sie für die Menschen, die sie sehen, nicht gefährlich, aber sie versetzen sie in große Angstzustände. So erging es auch einer Frau aus Carmzow, die die Spukgeister gesehen haben soll. Sie bekam so einen großen Schreck, dass sie bis zum Dauergraben lief (immerhin ein Kilometer südwestlich vom "Spitzen Berg"). Die Gespenster, die sie hartnäckig bis dahin verfolgten, kamen aber nicht über den Graben. Sie tanzten daraufhin wie wild geworden umher und stießen böse Drohungen aus. Erst bei Sonnenaufgang verschwanden die Erscheinungen. Quelle: Teufelssteine, Unheimliche Geschichten von den Ufern des Flusses Ucker, ARKADIEN e. V., Schibri-Verlag, 1997