Besuch aus den USA zum Internationalen Museumstag 2018 in Brüssow

18.05.2018

Ein lange geplanter Besuch in Deutschland von Mitgliedern des Deutschen Auswanderermuseums „Das Haus und der Stall“ in Neu Bergholz NY wurde mit einem mehrtägigen Aufenthalt in Brüssow verbunden. Anlass dafür war der 175. Jahrestag der Auswanderung vieler hundert Menschen aus der Uckermark, besonders aus den Orten Brüssow, Bergholz, Wallmow und Fahrenwalde, sowie aus dem angrenzenden Pommern im Jahre 1843. Die Auswanderer, meist Mitglieder der Altlutherischen Kirche, nahmen den Verlust Ihrer Heimat schmerzhaft in Kauf, um ihres Glaubens Willen. Der Grund war die Schaffung einer Einheitskirche in Preußen, der sich die Altlutheraner machtvoll widersetzten, weil sie Ihren Glauben darin nicht genug berücksichtigt sahen.

In den USA gründeten sie Orte wie Neu Bergholz und Wallmow, benannt nach Ihren Uckermärkischen Heimatdörfern. Viele der Nachfahren leben noch heute dort und freuen sich, dass der Kontakt in die Uckermark wieder gepflegt wird. Unser Heimatmuseum steht schon seit vielen Jahren mit dem Museum in den USA, das sich in der Nähe der Niagara Wasserfälle befindet, in Verbindung. Die ehemalige Altlutherische Kirche, unser heutiges Museum in Brüssow, wurde nach Abschaffung der Einheitskirche von den hiergebliebenen Altlutheranern im Jahre 1859 erbaut. Seit einigen Jahren hegt der Museumsbeirat den Wunsch, in der alten, ehemaligen Kirche, an dieses Ereignis, welches ein Alleinstellungsmerkmal im Land Brandenburg hat, zu erinnern. Dazu wurde mit Unterstützung der Stadt Brüssow/ Uckermark und des Brandenburgischen Museumsverbandes ein Konzept von Historikern aus Berlin erarbeitet. Dieses beinhaltet die Umgestaltung des Hauses mit dem Thema Auswanderung im Mittelpunkt, umgeben von weiteren Höhepunkten aus der Brüssower Stadtgeschichte. Da dieses Vorhaben auch mit einigen baulichen Veränderungen verbunden ist, wollen wir Anfang des kommenden Jahres einen Antrag auf Fördermittel stellen. Die Stadt hat in diesem Jahr Mittel zur Erarbeitung eines Architektenplanes zur Verfügung gestellt. Im Amt Brüssow/ Uckermark werden dazu die Vorbereitungen getroffen.

Der Museumsbeirat organisierte für die Gäste aus den USA Elaine Timm, Cindy Sileo und Donald Schroeder, mit Unterstützung vieler Partner, ein interessantes Programm an 7 Tagen. Dafür möchten wir uns bei allen Beteiligten, und ganz herzlich bei den Dolmetschern, bedanken.

Begrüßt wurden Sie am Freitag, dem 11. Mai abends im Beisein von Mitgliedern des Museumsbeirates und des Stadtpfarrers Matthias Gienke bei einem kleinen Imbiss in der Stephanusstiftung „Haus am See“. Am Sonnabend hatten die Kirchengemeinde und die Heimatstube in Bergholz/ Uckermark zu einer Kaffeetafel und zu Wildschweinbraten am Abend eingeladen. Vertreter aus Bergholz haben einen Besuch im gleichnamigen Ort in den USA im Herbst dieses Jahr geplant.

Am Sonntag dann die Veranstaltung in Brüssow, anlässlich des „41. Internationalen Museumstages“ im Kulturhaus Kino. Gemeinsam mit dem Verein „Lebendiges Brüssow“, dem Tourismusverein „Brüssower Land e.V.“ und im Beisein vieler Brüssower und Gäste aus Nah und Fern sahen wir den im Jahre 2016, durch den RBB produzierten Dokumentarfilm „Little Uckermark“. Der Bürgermeister Michael Rakow überreichte den Amerikanern zur Begrüßung Gastgeschenke. Musikalisch umrahmt wurde das Ganze mit Liedern des Uckermärkischen Heimatdichters Max Lindow, vorgetragen von seiner Tochter Frau Dr. Annegret Lindow.

In New Bergholz NY trifft man sich noch regelmäßig, um Plattdeutsch zu sprechen. Deshalb wurde diese Veranstaltung genutzt, um Lehrbücher in Uckermärker Platt zu überreichen, verbunden mit einer Einladung ins Dominikanerkloster Prenzlau an unsere amerikanischen Gäste durch Frau Doris Meinke, Mitarbeiterin im Stadtarchiv Prenzlau. Sie regte auch an diesem Vormittag eine Kooperation mit der „Regenbogen Gesamtschule“ Brüssow zur Bewahrung der Mundart an. Ein gemeinsames Grillen und Gespräche mit Interessenten dieser freundschaftlichen Beziehung zu unserem Schwestermuseum in den USA, rundete den Museumstag, der unter dem Motto: „Netzwerk Museum: Neue Wege, neue Besucher“ stattfand, ab.

Ebenfalls anwesend war die freie Journalistin Frau Dr. Hannegret Biesenbaum aus Berlin. Sie hatte sich auf Empfehlung des Brandenburgischen Museumsverbandes bei uns angemeldet und möchte im Hörfunk, in einer einstündigen Sendung, zum aktuellen Thema “Migration/Flucht - damals wie heute“ mit vielen Interviews, auch vom Brüssower Museumstag, berichten.

Nachmittags waren wir mit unseren Gästen zum Jahresempfang des Brüssower Orgelvereins in die Kirche des Ortsteils Wollschow und einem anschließenden Besuch auf dem Kunsthof der Familie Nürnberger eingeladen.

Am Montag dann ein Gespräch im Heimatmuseum und anschließend ein Besuch in der Stadtkirche zur Einsichtnahme in die Kirchenbücher. Alle 3 Gäste haben Ihre Vorfahren in der Brüssower Umgebung und sind sehr interessiert an Ihrer Familiengeschichte. Frau Heiderose Richter stellte für unser Treffen ein eigens dafür zusammengestelltes Fotobuch von den zurückliegenden Besuchen der Amerikaner kostenlos zur Verfügung. Dafür ein herzliches Dankeschön, auch von unseren Gästen. Frau Elaine Timm, Schatzmeisterin des „Vereins der Norddeutschen Siedlungen im Westen von New York“, dem Träger des kleinen Museums, die schon das vierte Mal bei uns zu Gast war, wird dafür in dem kleinen Museum in New Bergholz NY einen würdigen Platz finden. Frau Richter begleitete als Fotografin die Amerikaner auch beim ganztägigen Aufenthalt am nächsten Tag in Prenzlau.

Die Fotos von den gesamten Tagen des Besuches veröffentlichen wir auf der Homepage des Amtes Brüssow/ Uckermark unter Schnappschüsse.

Am Mittwoch, dem 15. Mai, haben wir die Einsicht in die Kirchenbücher von Penkun organisiert, die auch von Interesse waren. Auf dem Programm am Donnerstag stand ein Ausflug in die benachbarte polnische Metropole Stettin. Dazu hatte die Kirchengemeinde Brüssow eingeladen. Auf diesen Ausflug, der schon lange vorher angekündigt war, hatten sich die Amerikaner besonders gefreut. Gemeinsam mit Mitgliedern der Kirchengemeinde in Bergholz/ Uckermark fand eine Stadtbesichtigung statt, die mit einem gemeinsamen Abendessen endete.

Den letzten Tag des Aufenthaltes nutzte der Museumsbeirat, um mit dem Museum „Das Haus und der Stall“ in New Bergholz NY eine geplante gemeinsame Kooperationsvereinbarung zu besprechen. In dieser wollen wir das gegenseitige Interesse einer weiteren Zusammenarbeit zum Ausdruck bringen. Diese wird dann nach Unterzeichnung in würdigem Rahmen in den beiden Museen zu besichtigen sein.

Frau Elaine Timm trug sich in das Gästebuch unseres Heimatmuseums mit folgenden Worten ein: „Meinen Besuch in Brüssow, anlässlich des 175. Jahrestages der Altlutherischen Auswanderung, genoss ich sehr. Das Museum hat viele wundervolle Ausstellungsstücke und Artefakte. Ich hoffe die Beziehung zwischen dem Partnermuseum und unserem Museum „Das Haus und der Stall“ in Bergholz, New York, USA, wird sich weiter festigen.“ Elaine Timm, Niagara Falls, New York, USA 18.05.2018

Museumsbeirat des Heimatmuseums Brüssow

 

Foto: Unsere Besucher aus den USA und Mitglieder des Museumsbeirates bei der Übergabe des Fotobuches von Heiderose Richter (von links auf dem Foto: Cindy Sileo, Donald Schroeder, Siegfried Kretschmer, Günter Trester, Margit Glowe und Elaine Timm (Foto: Heiderose Richter)