38. Internationaler Museumstag

04.05.2015

 

Vortrag mit anschließender Diskussion

Prof. Dr. Hans-Dieter Wallschläger, Berlin

Nur um des Glaubens Willen? – Ursachen und Verlauf der Auswanderungen nach Amerika im 19. Jahrhundert

Heimatmuseum Brüssow/ Uckermark

am Sonntag, dem 17. Mai 2015

Beginn: 10:00 Uhr

 

Prof. Dr. Hans-Dieter Wallschläger, Berlin

Nur um des Glaubens Willen? – Ursachen und Verlauf der Auswanderungen nach Amerika im 19. Jahrhundert

Wer waren die Menschen, die beginnend mit der Mitte der 1830 Jahre zu tausenden ihre Heimat in den preußischen Provinzen Brandenburg, Pommern und Schlesien verließen, um nach einer gefahrvollen Überquerung des Atlantik einer ungewissen Zukunft im fernen Nordamerika entgegen zu sehen? Was brachte sie dazu, ihr bisheriges sicheres Leben aufzugeben?

Es gibt viele Versuche, Antworten auf diese Fragen zu finden, doch fallen diese recht unterschiedlich aus: so wird einerseits vermutet, dass die Unterdrückung der in Fanatismus mündenden  religiösen Separation einer großen Gruppe von Gläubigen durch König und Regierung Auslöser der Auswanderung war, oder, dass die nach der Befreiung von der napoleonischen Besetzung eingeleiteten wirtschaftlichen Veränderungen in weiten Kreisen der ländlichen Bevölkerung zur Verschlechterung der Lebenslage und zur Perspektivlosigkeit führten.

Doch wird heute von vielen Historikern wieder daran erinnert, dass bereits Karl Marx den Ausspruch „Männer (oder besser Menschen) machen Geschichte“ geprägt hat und stellen damit die eigentlichen Akteure in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Dieser Betrachtungsweise wollen wir am Beispiel des hiesigen Ortes folgen. Auch hier im uckermärkischen Brüssow und in den umliegenden Orten wie Wallmow, Menkin, Bergholz und bis hin nach Angermünde fanden sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts viele Menschen zusammen,  um ihre Unzufriedenheit mit der damaligen staatlichen und besonders kirchlichen Ordnung Ausdruck zu geben. Diese von Laienpredigern (Vorlesern) geleiteten Konventikel führten zur Spaltung ganzer Kirchgemeinden, was später durch Pastoren der schlesischen und pommerschen evangelisch-altlutherischen Glaubensrichtung befördert wurde und letztendlich zwischen 1843 und 1846 in mehrere größere Auswanderungswellen nach Amerika mündete.

Am Beispiel einiger beteiligter Personen, wie des Zimmergesellen und Laienpredigers  Bagans, des landeskirchlichen Pastors und Superintendenten Büchsel und der altlutherischen Pastoren Lasius, Kindermann und Ehrenström wird versucht, die Rolle dieser Personen aufzuklären. Dabei findet die räumliche Nähe zur Region Hinterpommern besondere Beachtung, da dort größtenteils von denselben Personen bewirkte ähnliche Ereignisse abliefen.